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Energiepolitische und forschungspolitische Empfehlungen nach den Ereignissen in Fukushima

MPS-Authors
/persons/resource/persons22071

Schlögl,  Robert
Inorganic Chemistry, Fritz Haber Institute, Max Planck Society;

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Citation

Behrendt, F., Renn, O., Schlögl, R., Schüth, F., Umbach, E., & Wagner, H.-J. (2011). Energiepolitische und forschungspolitische Empfehlungen nach den Ereignissen in Fukushima. Halle(Saale): Leopoldina.


Cite as: http://hdl.handle.net/11858/00-001M-0000-0012-0C2A-9
Abstract
Die Kernaussagen: 1. Aus technisch-wissenschaftlicher Sicht scheint ein Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie auf einer Zeitskala von etwa 10 Jahren möglich, sofern die im weiteren Text genannten Randbedingungen eingehalten werden. 2. Auch wenn ein schnellerer Ausstieg als im ursprünglichen Atomausstiegsgesetz geplant technisch-wissenschaftlich realisierbar erscheint, sollten die Konsequenzen verschiedener möglicher Pfade in Bezug auf Versorgungssicherheit, Importabhängigkeit, Kosten und Akzeptanz genauer untersucht werden, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden. 3. Da es bei einer so großen Aufgabe wie der Umstellung eines Energiesystems viele Unwägbarkeiten gibt, werden im Prozess laufende Anpassungen erforderlich sein. Es ist wichtig, diese gesellschaftlich weitgehend konsensual vornehmen zu können. Daher wird empfohlen, den Umbau des Energiesystems durch eine kompakte, neutrale, langfristig eingerichtete Kommission begleiten zu lassen, die die Regierung berät. Ähnlich könnte auch die Entwicklung von Forschungsprogrammen und deren Adaption an neue Entwicklungen begleitet werden. 4. Die langfristigen Ziele der Energiepolitik und der Energieforschung würden durch einen beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie nicht beeinflusst, da die Kernenergie im Energiekonzept der Bundesregierung ohnehin nur die Rolle einer Brückentechnologie spielt(e). Auch die Kernaussagen des durch die Akademien formulierten Energieforschungskonzepts von 2009 gelten weiterhin. 5. Die Priorisierung und die zeitliche Staffelung von Forschungsanstrengungen können sich aber verändern. Insbesondere energiepolitische Weichenstellungen müssen kurzfristig anders als geplant erfolgen. 6. Ein beschleunigter Ausstieg aus der Kernenergie beeinflusst kurzfristig primär den Elektrizitätssektor. Mögliche Maßnahmen müssen sich daher auf diesen Sektor konzentrieren. Allerdings gibt es Verknüpfungen zu anderen Bereichen des Energiesystems: Der Ersatz von Kernkraftwerken durch konventionelle Kraftwerke wird zu zusätzlichen CO2-Emissionen aus dem Energiesektor führen. Die Gesamtemission wird sich für einen begrenzten Zeitraum erhöhen, da eine vollständige Kompensation durch verringerte Emissionen in anderen Bereichen angesichts der dort bereits gesetzten, ehrgeizigen Ziele nicht möglich ist. 7. Effizienzsteigerung im Verbrauch elektrischer Energie – aber auch in anderen Sektoren - ist kurzfristig die wirksamste Maßnahme, um einen beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie zu unterstützen. Viele Technologien sind vorhanden und sparen sogar Kosten. Hier wird es entscheidend sein, Anreize zu schaffen, diese möglichen Einsparpotenziale auch tatsächlich zu realisieren. 8. Es ist davon auszugehen, dass ein schnellerer Ausstieg als geplant mit Kostensteigerungen verbunden sein wird. Es sollte darauf geachtet werden, dass die kurzfristigen Maßnahmen mit den langfristigen Zielen kompatibel sind, um nicht jetzt vermeintlich günstigere Optionen zu verfolgen, die langfristig zu Belastungen führen, die dann zu wirtschaftlichen Einbußen oder Akzeptanzverlusten führen. 9. Wenn kurzfristige Maßnahmen auch zunächst national geplant und umgesetzt werden müssen, darf Deutschland nicht isoliert betrachtet werden. Der europäische Markt für elektrische Energie wird weiter zusammenwachsen, viele Planungen erfolgen auf gesamteuropäischer Ebene. Zur Optimierung der Energieversorgung in Deutschland sollte daher eine gesamteuropäische Sichtweise im Vordergrund stehen. 10. Die aktuellen Vorgänge zeigen, wie wichtig es ist, dass Energieforschung eine breite Palette von Optionen bereitstellt, damit auch bei sich verändernden Rahmenbedingungen die Energieversorgung sichergestellt werden kann. 11. Forschungsanstrengungen müssen sich kurzfristig im wesentlichen auf schnell aktivierbare Effizienzmaßnahmen mit hoher Priorität im Elektrizitätssektor richten. Dabei ist die Einbeziehung der Nachfrageseite eine Schlüsselkomponente. Weiterhin sind Arbeiten voranzutreiben, die die Möglichkeiten zur verstärkten Einbindung regenerativer Energie in die Netze verbessern. 12. Langfristig muss Energieforschung thematisch breit aufgestellt sein und die gesamte Spanne, von Grundlagenforschung bis zur stark anwendungsorientierten Untersuchungen umfassen, um der Gesellschaft zusätzlich Optionen zu erschließen. Auch wenn priorisiert werden muss, sollten Richtungen, die nicht dem jeweils aktuellen Mainstream entsprechen, in gewissem Umfang weiterverfolgt werden. Energieforschung benötigt zwingend Kontinuität. Eingestellte Forschungsrichtungen lassen sich nur mit großem Aufwand und großem Zeitverlust wieder reaktivieren.