English
 
User Manual Privacy Policy Disclaimer Contact us
  Advanced SearchBrowse

Item

ITEM ACTIONSEXPORT

Released

Thesis

Wenn Hausarbeit bezahlt wird: Eine historisch-soziologische Analyse der Arbeitsbeziehung im Privathaushalt in Spanien und Uruguay

MPS-Authors
/persons/resource/persons204395

Pflücke,  Virginia Kimey
International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy, MPI for the Study of Societies, Max Planck Society;

Locator
There are no locators available
Fulltext (public)
There are no public fulltexts available
Supplementary Material (public)
There is no public supplementary material available
Citation

Pflücke, V. K. (2017). Wenn Hausarbeit bezahlt wird: Eine historisch-soziologische Analyse der Arbeitsbeziehung im Privathaushalt in Spanien und Uruguay. PhD Thesis, Universität Köln, Köln.


Cite as: http://hdl.handle.net/11858/00-001M-0000-002C-F059-9
Abstract
Die Bedeutung der Hausarbeit für die politische Ökonomie kann kaum überschätzt werden, betrifft sie doch die Reproduktion menschlicher Lebenszusammenhänge, die Produktion privater Wohlfahrt schlechthin. Die Trennung von privater und öffentlicher Sphäre, die der geschlechtlichen Arbeitsteilung zugrunde liegt, weist die Rolle der Produktion dieser Fürsorge der Frau zu, traditionellerweise in unbezahlter Form als Arbeit der Mutter und Ehefrau im eigenen Haushalt. Silvia Federici bezeichnet in diesem Sinne „the home and housework as the foundations of the factory system, rather than its ‘other’“ (Federici 2012: 6f.). So betrachtet verwundert die lange Zeit vernachlässigte Analyse der bezahlten Hausarbeit als Teil dieses Fundaments. Besonders seit den 1990er Jahren finden Dienstleistungen im Privathaushalt als – häufig informelle – gering entlohnte Tätigkeiten wieder verstärkt statt (Jany-Catrice 2009; Sarti 2006). Trotz thematischer Nähe stellt das Wachstum dieses Sektors keine Anerkennung unbezahlter Arbeit im Sinne der Forderung der Lohn für Hausarbeit-Kampagne der 1970er Jahre dar, die eine Überwindung der un- sowie unterbezahlten Hausarbeit verlangte: Ganz im Gegenteil deutet die heutige Rückkehr der Dienstmädchenfrage auf die Verwandtschaft von Arbeit am unteren Ende des Dienstleistungssektors mit den feudalen Arbeitsverhältnissen häuslicher Knechte. Hausangestellte waren am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts „die umfangreichste Kategorie von Beschäftigung überhaupt“, fasst Jürgen Osterhammel seine Überlegungen zu dieser Arbeitsbeziehung in Europa zusammen (Osterhammel 2009: 991). Heute ist die Zahl der Hausangestellten wieder so hoch, dass man in einigen Ländern feststellen muss: „der häusliche Dienst [ist] die mit Abstand wichtigste Berufstätigkeit von Frauen“ (ibid.). Ihre Arbeitsbedingungen jedoch sind zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher wie auch politischer Debatten: während in vielen Ländern gerade angesichts der kapitalistischen Krise eine Inklusion dieser ArbeiterInnenschaft in ein Normalarbeitsverhältnis nicht denkbar scheint, setzen andere die ILO-Forderung nach „Decent Work For Domestic Workers“ (ILO 2013) zunehmend um. Wie Dienstleistungen im Privathaushalt reguliert werden und wer die Interessen der Akteure in diesem Sektor organisiert, untersuche ich in meiner Dissertation anhand von zwei historischen Fallstudien: Spanien und Uruguay. In zwei kostrastierten Fallstudien wird die historische Entwicklung der Regulierungen und Interessenorganisation anhand von drei Begriffspaaren kontrastiert. Das Wechselverhältnis von Ideen und Interessen, Status und Vertrag sowie Privat und Öffentlich dient dabei sowohl der Untersuchung des Regelwerks, in welchem sich die (kollektiven) Akteure bewegen, als auch ihrer Handlungsspielräume darin (Lessenich 2014). Empirisch erforscht werden soll so der Gegenstand der bezahlten Hausarbeit in kapitalistischen Gesellschaften, also inwiefern eine „'Arbeit aus Liebe' minus die Liebe einfach Erwerbsarbeit wie jede andere Erwerbsarbeit auch“ (Gather 2007: 8) werden kann. Dabei zeigt sich im spanischen Fall, wie die Arbeitsbeziehung der Arbeit im Privathaushalt seit dem 19. Jahrhundert einiger Reformversuche zum Trotz aus grundlegenden Momenten des Arbeitsrechts und der Interessenorganisation ausgeschlossen wurde, sodass ihre Institutionalisierung am Rande der Arbeitsbeziehungen bis heute fortgeschrieben wird. Auf der anderen Seite erreichte Uruguay als erstes Land weltweit im Jahr 2006 eine gesetzliche Gleichstellung dieser Tätigkeit, und seit 2008 werden hier tripartite Tarifverhandlungen in einem neu geschaffenen Lohnrat abgehalten. Hier kann von einer sukzessiven Verwandlung des ehemaligen Herr-Knecht-Verhältnisses in eine Arbeitsbeziehung im Dienstleistungssektor gesprochen werden. Theoretisch stellt die vorliegende Arbeit einen Beitrag zur feministischen Arbeitssoziologie dar, deren Annahmen und Konzepte durch die intersektionale, historisch-soziologische Untersuchung der Entstehung einer marginalisierten Arbeiterschaft kritisch beleuchtet werden.